Einleitung zum 1. und 2. Timotheusbrief
Die Briefe des Paulus an Timotheus und Titus werden als Hir-
tenbriefe (=Pastoralbriefe) zusammengefasst. Timotheus war der
Sohn eines griechischen Vaters und einer jüdischen Mutter, die sich
zum christlichen Glauben bekehrt hatte. Er wurde von Paulus auf
seiner zweiten Missionsreise zum Glauben an Jesus geführt und
für die Nachfolge gewonnen und wurde zu einem seiner engsten
Mitarbeiter. Während seiner dritten Missionsreise wirkte Paulus
mehr als zwei Jahre in Ephesus. Durch das tägliche Bibelstudium in
der Schule des Tyrannus wurde Ephesus zum geistlichen Zentrum
für ganz Kleinasien. Später wurde Timotheus als Gemeindeleiter in
Ephesus eingesetzt. Dort hatte er mit verschiedenen Schwierigkei-
ten zu kämpfen. Er selbst war noch jung und deshalb wurde seine
Autorität in Frage gestellt. Außerdem gab es verschiedenen Irrleh-
rer, die die Gemeinde mit scheinbar besonders geistlichen Lehren
verwirrten. Paulus berät ihn in dieser schwierigen Lage sehr per-
sönlich. Den ersten Timotheusbrief schrieb Paulus wohl von Maze-
donien aus; zur Zeit der Abfassung des zweiten Timotheusbriefes
befand er sich in Gefangenschaft in Rom. Der erste Timotheusbrief
beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Gemeindeleitung. Wie
sollte sich Timotheus als Gemeindeleiter verhalten und mit an-
deren, vor allem leitenden Gemeindemitgliedern, umgehen? Im
zweiten Timotheusbrief ermahnt Paulus seinen geistlichen Sohn
sehr eindringlich, das Evangelium unter allen Umständen, auch im
Leiden, weiterzugeben. Dieser Brief ist das Vermächtnis des Paulus
nicht allein an Timotheus, sondern auch an uns, Gottes Werk bis
zum Ende treu zu sein.
Die Hauptsumme aller Unterweisung
1. Timotheus 1,1-11
(1. Tim 1,5) Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist die Liebe
aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem
Glauben.
Paulus wendet sich an Timotheus, den er seinen rechten
Sohn im Glauben nennt, da er durch Paulus zum Glauben an Jesus
gefunden hat. Timotheus diente der Gemeinde in Ephesus. Dort
waren Irrlehrer aufgetreten, die die Gläubigen durch falsche Leh-
ren verwirrten. Deshalb war es wichtig, dass Timotheus sich auf die
Grundlage des christlichen Glaubens stützt. Was war und ist das
Ziel von Bibelstudium, Predigt, Lehre und Seelsorge? Es ist die Liebe
aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem
Glauben. Die Quelle unserer Liebe ist die Liebe, die wir selbst durch
Jesus erfahren haben. Wir haben ein gutes Gewissen, weil Gott in
Jesus die Last der Schuld von uns genommen hat. Ungefärbt ist un-
ser Glaube, wenn er auf Gottes Wort baut anstatt der Meinung der
Gesellschaft zu folgen. Reine Liebe, ein gutes Gewissen und unge-
färbter Glaube sind die Ziele, die wir nicht aus den Augen verlieren
dürfen. Das Gesetz, das heißt die Gebote des Alten Testamentes
dienten den Menschen dazu, ihre Sünde vor Gott zu erkennen. Wer
auf der Grundlage des Evangeliums lebt, braucht jedoch keinen
starren Katalog an Regeln und Vorschriften, weil Liebe, Glauben
und sein Gewissen ihm den rechten Weg weisen.
Gebet: Herr, lass mich selbst an der Hauptsache festhalten und an-
dere so unterweisen.
Ein Wort: Liebe und Glauben sind die Hauptsache